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AWO legt Analyse von Armutsursachen vor

Berlin, 16. März 2017. Über die Definition von Armut und über Armutssymptome wird viel gesprochen. Aus Sicht der AWO ist es aber mindestens genauso wichtig die Ursachen - also die Gründe für Armut zu untersuchen. Das hat die  AWO getan und veröffentlicht  heute eine umfassende Analyse von institutionellen und strukturellen Armutsursachen mit dem Titel: „Selber schuld? Analyse der AWO von strukturellen und institutionellen Armutsursachen“. „Die Analyse von Armutsursachen zeigt klar, dass strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen Armut und soziale Ungleichheit verursachen und den sozialen Aufstieg verhindern. Es ist an der Zeit, das zu ändern“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.  Aus diesem Grund werden im Anschluss an die Analyse politische Schlussfolgerungen abgeleitet.

So schützt beispielsweise Erwerbstätigkeit nach wie vor am effektivsten gegen Einkommensarmut, aber gleichzeitig sind immer mehr erwerbstätige Personen armutsgefährdet. Die Ursache dafür liegt in  den strukturellen Veränderungen des Arbeitsmarktes bspw. durch die Zunahme von atypischer Beschäftigung wie Leiharbeit, Minijobs, Teilzeit und prekärer Selbstständigkeit. Auch wenn Menschen bereits vor einer Erkrankung in schwierigen finanziellen Verhältnissen lebten, vermag es das Sozialsystem in seiner derzeitigen Ausgestaltung nicht, Menschen im Krankheitsfall ausreichend abzusichern. Die Kosten für ärztliche Behandlungen, Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sowie Pflegedienstleistungen sind für viele Menschen zu hoch und Unterstützungsleistungen zu gering.

Die soziale Ungleichheit wächst. „Armut und soziale Ungleichheit sind längst keine Randphänomene mehr, die einfach als individuelles Versagen abgetan werden können. Das Problem muss an den Wurzeln gepackt werden“, fordert Wolfgang Stadler. Wer in Armut lebt, wird von der Gesellschaft häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. Zugleich müssen die Betroffenen mit ihren geringen finanziellen Ressourcen auskommen. Ihre Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sind stark begrenzt, sie werden häufiger krank und haben im Durchschnitt eine kürzere Lebenserwartung.

Das Analysepapier der AWO „Selber schuld? Analyse der AWO von strukturellen und institutionellen Armutsursachen“ strebt zwei Ziele an:

  • Auf der Basis einer gesellschaftskritischen Analyse der strukturellen und institutionellen Armutsursachen werden politische Forderungen abgeleitet, die die strukturelle und institutionelle Ebene adressieren und somit eine echte Armutsbekämpfungspolitik initiieren sollen.
  • Mit der Darstellung der strukturellen Einflüsse auf die Chancenlage der Betroffenen soll die Diskursebene beeinflusst werden und sowohl Aufklärungs- als auch Sensibilisierungsarbeit geleistet werden. Dadurch sollen Vorurteile gegenüber Menschen, die von Armut betroffen sind, aufgebrochen und Stigmatisierungen aufgehoben werden. Denn nicht nur durch die Tatsache, dass die soziale Ungleichheit wächst, die Armutszahlen steigen und die soziale Mobilität sinkt, sondern auch durch das mangelnde Verständnis der Gesellschaft den von Armut betroffenen Menschen gegenüber, wird der soziale Zusammenhalt gefährdet.

Die AWO engagiert sich gemeinsam mit anderen Organisationen aktiv in dem Bündnis „Reichtum umverteilen – ein gerechtes Land für alle!“.

i. A. Mona Finder

AWO Bundesverband e. V.

Pressesprecherin

 T.: + 49 (0)30 26 309 222

F.: + 49 (0)30 26 309 32 222

Mobil: +49 (0)172 - 261 50 14

www.awo.org

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Pressemitteilung 01/2017 vom 10.01.2017

des Armutsnetzwerk e.V. zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

 

Armutsrealitäten weiter ausgeblendetDie nachträglichen Streichungen im 5. ARB sind ein „sozialpolitisches Eigentor

 

Die tiefe Spaltung unserer Gesellschaft in arm und reich schreitet seit mehr als 20 Jahren weiter voran. Wahrhaben will man das allerdings von bundesoffizieller Seite eher nicht. Das zeigt überdeutlich die Herangehensweise an den 5.Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (5.ARB). Die Botschaft der Regierung ist klar: Seht her, zumindest ist doch mehr Gutes und Positives in unserem Bericht.

Bezeichnend nur,“ so Michael Stiefel, Vorsitzender des Armutsnetzwerkes e.V., „dass nun für Aufsehen sorgt, was nicht in dem Bericht steht. Oder besser: jetzt nicht mehr“. Zwei Beispiele sollen exemplarisch genannt sein:

 

Sichtweisen Armutsbetroffener wieder ausgeblendet. Mit einem Workshop hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) am 07. Oktober 2015 erstmals Gelegenheit gegeben, dass die Sichtweisen von Menschen, die von Armut betroffen sind oder es längere Zeit waren, sichtbar werden konnten. Rund 30 Menschen aus allen Teilen der Bundesrepublik und aus verschiedenen Armutslagen haben daran mitgewirkt und ihre Sichtweisen eingebracht. Die Initiative dazu ging von Betroffenen aus, unterstützt wurden sie von der Nationalen Armutskonferenz (nak), das Armutsnetzwerk war ebenfalls mit mehreren Teilnehmer/innen präsent.

Einhellig wurde damals von den Teilnehmer/innen begrüßt, dass ein solches Gespräch von Armutsbetroffenen und Ministeriumsmitarbeitern geführt werden konnte. Auch die transparentere Website des BMAS zum 5.ARB machte Hoffnung, dass hier ein Dialog in Armutsfragen beginnen könnte. Die Ergebnisse dieses Workshops waren in dem im November 2016 bekannt gegebenen Entwurf des 5.ARB (vor der Ressortabstimmung) in einem eigenen Kapitel zusammengefasst. Dieses Kapitel A IV 1.5 ist nun in der Ressortabstimmung weggefallen.

Ohne jegliche Not und ohne jede Sensibilität für die Beteiligungsschwierigkeiten armutsbetroffener Menschen ist damit die Chance vertan, erstmals den Armen direkt im 5.ARB eine Stimme zu geben. Das Ministerium für Arbeit und Soziales hat tatsächlich Betroffene eingeladen, ihnen Raum gegeben, sie angehört, mit ihnen einen Nachmittag lang diskutiert und einen Bericht in den 5.ARB gebracht. Dieser zaghafte Ansatz zu einem neuen Politikstil bleibt jetzt in einem Internetlink versteckt. Wir vom Armutsnetzwerk sehen keinen Grund dafür, dass das Kapitel „Armut aus Sicht von Armutsbetroffenen“ nicht wieder in den 5. Armuts- und Reichtumsbericht aufgenommen wird. „Was bringt Beteiligung, die nicht sichtbar ist?“ so fragen die Betroffenen. Kurz: Wer arm ist, wird nicht gehört.

 

Mit der Höhe finanzieller Ressourcen steigt die politische Wirksamkeit und Einflussnahme. Kurz: Wer mehr Geld hat, dessen Interessenlagen werden bei politischen Entscheidungen in Deutschland stärker wahrgenommen und berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forscherteams um den Osnabrücker Professor Armin Schäfer, die dieser im Auftrag der Bundesregierung für den aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht verfasst hat. Noch brisanter als dieses Ergebnis selbst, ist: Die Bundesregierung möchte, dass die Öffentlichkeit davon lieber nichts erfährt – und hat die relevanten Passagen kurzerhand aus dem Bericht gestrichen.

Der Bericht in der Vorversion wörtlich: „So können Partikularinteressen von Eliten und Unternehmen in modernen Demokratien einen übergroßen Einfluss gewinnen, mit der Folge einer zunehmenden Entpolitisierung und damit eines Legitimitätsverlustes.“ Nach den Streichungen bleibt festzuhalten: In der neuen Version des Berichts sucht man vergeblich beispielsweise nach den Begriffen „Lobbyismus“, „Einflussnahme“, „Machtungleichgewichte“ oder „Stiftungen“. Die entsprechenden Passagen wurden in der Abstimmung zwischen den Ministerien komplett gelöscht.

Das Verschweigen spricht Bände. Im Fazit meint Michael Stiefel für das Armutsnetzwerk dazu:

Mit der nachträglichen Streichung der Sichtweisen Armutsbetroffener wurde Wirksamkeit und Einfluß ressourcenstärkerer Interessengruppen nachdrücklich unter Beweis gestellt. Das nennt man wohl am besten ein sozialpolitisches Eigentor. “

Zugleich fordert das Armutsnetzwerk die Bundesregierung auf, das Kapitel „Armut aus Sicht von Armutsbetroffenen“ wieder aufzunehmen und sieht sich dabei von einer großen Mehrheit der Beteiligten des Beraterkreises unterstützt.

Ebenso ist in der künftigen Armuts- und Reichtumsberichterstattung die Sichtweisen von Menschen, die in sichtbarer und verdeckter Armut leben, regelmäßig, systematisch und angemessen zu berücksichtigen.

 

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Link zum Workshop http://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Service/Aktuelles/Meldungen/workshop-mit-von-armut-betroffenen.html

 

Kontakt: Michael Stiefel (Tel. 0176 4902 1237)

Das Armutsnetzwerk e.V. ist eine bundesweite Plattform von Menschen mit Armuts- und Ausgrenzungserfahrungen. Das Armutsnetzwerk ist stimmberechtigtes Mitglied der Nationalen Armutskonferenz (nak) und durch Robert Trettin (Tel. 030 – 67801778) im Beraterkreis des 5.ARB vertreten.

 

 

Armutsnetzwerk e.V., Sulingen, www.armutsnetzwerk.de

Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut: Bündnis um die Nationale Armutskonferenz fordert drei Schritte gegen Kinderarmut Köln.

Rund 3 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, so Erhebungen des Statistischen Bundesamtes. Jedes fünfte Kind lebt in Armut. Materielle Armut ist zentraler Risikofaktor für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut (17. Oktober) fordert ein Bündnis aus 40 Sozial- und Familienverbänden und Kinderschutzorganisationen um die Nationale Armutskonferenz von der Politik drei Schritte gegen Kinderarmut. „Die Ursachen und Folgen von Kinderarmut sind seit Jahren bekannt und wir machen auf die Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam“, sagt Dr. Frank Joh. Hensel, Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, „doch die Politik redet sich bei diesem Thema raus!“ Armut schränkt die Bildungschancen von jungen Menschen ein und hemmt die gesundheitliche Entwicklung sowie die kulturellen und sozialen Beteiligungsmöglichkeiten, so Hensel weiter. Im Aufruf „Keine Ausreden mehr: Armut von Kindern und Jugendlichen endlich bekämpfen!“ formuliert das Bündnis Forderungen, die jetzt in die Programmdebatte der Parteien zur Bundestagswahl einfließen sollen. Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung der Armut fordern die Bündnispartner drei Schritte gegen Kinderarmut: Das Existenzminimum von Kindern muss realistisch ermittelt werden. Der Bedarf, der im Regelsatz festgelegt ist, darf nicht einfach aus Ausgabepositionen der ärmsten Haushalte abgeleitet werden. Es gilt die tatsächlichen Bedürfnisse u.a. für Kleidung und Schulmaterial zu erheben. Die Ungerechtigkeiten in der Familienförderung müssen abgebaut werden. Aktuell werden Kinder gutverdienender Eltern durch die Kinderfreibeträge stärker unterstützt als Kinder Erwerbsloser oder mittlerer Einkommensbeziehender. Leistungen müssen einfacher gestaltet und leichter zugänglich sein. Langfristig sollten Familien alle Leistungen für ihre Kinder über eine Stelle in einem Auszahlungsbetrag beziehen. Hensel: „Einem Aufwachsen in Armut entgegen zu wirken braucht politische Entschiedenheit. Wir drängen darauf, das Problem der Kinderarmut endlich ernsthaft anzupacken.“ Die Bündnispartner betonen: „Die unterzeichnenden Organisationen werden aufmerksam verfolgen, welchen Stellenwert die Beseitigung von Kinderarmut in den Wahlprogrammen erhält.“

Der Aufruf mit allen Unterzeichnenden sowie Hintergrundinformationen zu Kinderarmut in Deutschland können hier heruntergeladen werden:

www.nationalearmutskonferenz.de

Weitere Informationen Hintergrund-Informationen zum Thema Kinderarmut in Deutschland

Drei Schritte gegen Kinderarmut – Forderungen zur Bundestagswahl

Pressekontakt:

Markus Harmann c/o Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln

Georgstraße 7, 50676 Köln Telefon 0221 2010-284 Telefax 0221 2010-130 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Nationale Armutskonferenz fordert stärkere Bezuschussung von Waschmaschinen oder Kühlschränken für Hartz-IV-Empfänger

 Köln. Um die schleppende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen anzukurbeln, haben sich Bundesregierung und Autoindustrie auf Kaufprämien verständigt.„Diese Nachricht überrascht vor dem Hintergrund, dass für die Anschaffung von stromsparenden Geräten bei Hartz-IV-Empfängern angeblich kein Geld da ist“, sagt Dr. Frank Johannes Hensel, Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (nak).

Ob Waschmaschine, Kühl- oder Gefrierschrank – in ärmeren Haushalten sind diese Geräte häufig veraltet und wahre Stromfresser. Einer Studie zufolge liegt die monatliche Stromrechnung um etwa ein Fünftel über der Summe, die im Hartz-IV-Regelsatz dafür vorgesehen ist. Für viele Familien sei das eine enorme Belastung, so die nak.

Hensel: „Es passt nicht zusammen, wenn die Gemeinschaft der Steuerzahler der Industrie mit Milliarden Euro hilft, Elektrofahrzeuge zu verkaufen, während sich gleichzeitig Langzeitarbeitslose keine neue Waschmaschine leisten und ihren Strom nicht mehr bezahlen können.“

Was etwa in Österreich möglich ist, werde in Deutschland ignoriert. Ist dort der Kühlschrank, die Gefriertruhe oder Waschmaschine eines Hartz-IV-Empfängers alt und verbraucht zu viel Strom, dann kann das Gerät mit dem höchsten Verbrauch durch ein effizienteres ersetzt werden – dafür gibt es dann einen Zuschuss.

Mit seinem Urteil vom 23. Juli 2014 hat das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung aufgefordert, fortlaufend zu prüfen, ob das Existenzminimum noch gedeckt ist. Ausdrücklich heißt es dabei auch, dass die Entwicklung der Preise für Haushaltsstrom berücksichtig werden müssten. „Hier fehlt deutlich der Wille, die zunehmende Energiearmut wirksam zu bekämpfen“, so Hensel.

 

Robert Trettin
Vorsitzender Concept social e. V.
Vize-Sprecher Nationale Armutskonferenz

www.conceptsocial.de
Telefon: 030 67801778
Mobil:    015231817936