Alle 2 Monate eine neue Armutsstatistik

Geschrieben von Dieter Puhl. Veröffentlicht in Allgemeines

Alle 2 Monate eine neue Armutsstatistik – nun wird hervorgehoben, immer mehr Arbeitnehmer fallen unter die sogenannte Armutsgrenze, ihnen fehlt Geld für Miete und Essen.

Wir merken das in der Bahnhofsmission Zoo im Regelfall schneller als Statistiker – dann, wenn die Schlange vor unserer Tür länger wird.

Waren es vor 4 Jahren 400 Gäste, die uns täglich aufsuchten, sind es nun 600, mit stark steigender Tendenz:

da stehen obdachlose Menschen, Rentner, Jugendliche, Studenten, Familien, Flüchtlinge, natürlich auch Arbeitnehmer.

Immer zum Monatsende, wenn bei vielen das Geld knapp wird, wird die Schlange länger.

Alle kommen, weil sie hungrig sind, sehr viele fragen aber auch nach  Gebrauchsgütern des täglichen Lebens: kein Geld für Bekleidung, für Schuhe, für den Einwegrasierer, für Tampons, für Hygieneartikel, kein Geld für ein neues Federbett, für Möbel und Hausrat.

Laden wir zu einem Theaterbesuch oder zu einem Konzert ein, sind die Veranstaltungen überlaufen – natürlich fehlt auch Geld für Kultur, für eine Tageszeitung.

Am 24.12. sahen wir es – sehr vielen fehlte das Geld für ein Weihnachtsessen.

Zahnersatz ist unerschwinglich, wird zum Luxus.

Statistiken erfassen selten Gefühle. Mehr als die Armut, nagt die Scham an den Menschen.

Da geht man den ganzen Tag arbeiten (oder hat auch nicht die Möglichkeit dazu) und steht dann abends in einer Schlange, um ein paar Brötchen, eine neue Jacke zu erhalten, besucht eine Suppenküche, erhält in einer Kirchengemeinde eine Tüte mit Lebensmitteln.

Wer lässt sich dabei gerne von seinem Nachbarn, seinen Arbeitskollegen über die Schulter schauen?!

Immer mehr Bürger suchen abends übrigens unsere Notübernachtungen auf, nicht um dort zu nächtigen, sondern um eine warme Mahlzeit zu erhalten.

Die Statistik zur Verteilung des Reichtums auf der Welt ist übrigens gerade 1 Woche alt.

Herzlichst – Dieter Puhl

Dieter Puhl
Leiter der  Evangelischen Bahnhofsmission
Jebensstraße 5 | 10623 Berlin
Telefon 030 / 3138088

Handy: 01637918717
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